Freitag, 17. November 2017

Playmobilland

Vom Oktober war irgendwann nicht mehr viel übrig, vom Herbst und dem sich immer vehementer durchsetzenden Schmuddelwetter leider noch sehr viel. Die Tage wurden immer kürzer und kühler und dann stand da noch diese ewig-lange Wochenende mit dem sogenannten "geschenkten" Tag vor der Türe. Hätte er Luther seine Thesen nicht auch im Juni irgendwo annageln können? Hätte er gewußt, dass die Menschen in Deutschland 500 Jahre später genau den einen Tag frei bekommen, der sich unmittelbar an das Wochenende der Zeitumstellung dranhängt? Zu einem Tag Frösteln bei Dunkelheit kommt auch noch eine extra Stunde Schlaf, die man, wenn man kleine Kinder hat, nicht wirklich zu schätzen weiß. Wachen die lieben Kleinen dann am Sonntag einfach mal um 6 Uhr statt um 7 Uhr auf. Oder, weil Sonntag ist, vielleicht doch schon um 5:30 Uhr?

Sollte jemand meinen Worten entnehmen, dass ich vor dem letzten Oktoberwochenende skeptisch war, liegt sie / er da genau richtig. Wir hatten nämlich Monate zuvor, als die Sonne noch wärmend zu langen entspannten Nachmittagen im Park einlud, eine viertägige Reise zum Playmobilland bei Fürth gebucht. Die von google prognostizierten 6 Stunden Autofahrt stimmten mich auch nicht froher, aber gebucht ist gebucht und Urlaub ist Urlaub. Samstags morgens nach dem Frühstück fuhren wir also los und wurden schon 2 km weiter von der ersten Baustelle mit Umleitung gestoppt. Ich war müde, unmotiviert und schlecht gelaunt, was sich bis Frankfurt nicht wirklich besserte. Bis dahin ließen wir uns von einem zähen Blechbrei auf der A3 gen Süden treiben und mußten uns eingestehen, dass die erste Pause bereits vor Frankfurt gemacht werden mußte. Da saßen wir auch schon volle 3 Stunden im Auto. Die Raststätte, die alles änderte, war mit einem Burger King bestückt. Es müssen Drogen im Fleisch oder in den Pommes gewesen sein, aber nach dem Verzehr eines Whoppers sah die Welt auf einmal wieder ganz rosarot aus und wir stiegen frohen Mutes wieder ins Auto to "hit the road".

Die war auch auf den nächsten 350 km nicht weniger voll - im Gegenteil. Eine Stunde Stau und zähflüssiger Verkehr vor Würzburg nagten ganz ordentlich an unserem Nervenkostüm. Das war ja zusätzlich auch noch von nörgelnden Kindern und Dauerbeschallung aus dem CD-Player auf die Probe gestellt. Als wir dann kurz vor 18:00 Uhr in Fürth ankamen, suchten wir noch ne klitzekleine Ewigkeit unser Hotel, bis wir das romantische Forsthaus Fürth dann im dunklen Wald entdeckten. 

Gut, dass die Bayern leckeres Bier brauen, das sie in großen Gläsern ausschenken. Nichts anderes hätte mir an diesem Abend noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können. 
Naja, also ausser zwei glücklichen Kindern, die das Hotel auf Anhieb klasse fanden und den Kicker auf der Empore zum Highlight des Urlaubs erkoren. Vielleicht noch eine Hotelbar, die leckere Kinderschnitzel herbeizaubert und einen auch noch mit einem Lächeln bedient, wenn der Junior sämtliche Dekoration abräumt und den Laden mit seinem ganz eigenen Bargesang "beschallt".

Die extra Stunde in der Nacht auf Sonntag hatten wir uns letztendlich dann auch verdient.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag Morgen, machten wir uns dann auch sofort auf den Weg zum Playmobilland. Die Fahrt war kurz und das Ziel war nach 20 Minuten erreicht. Genügend Platz im Parkhaus, keine Schlangen am Eingang, Playmobil-Männchen wohin das Auge schaute nahmen uns mit ihrem gütigen Blick in Empfang. Sobald man diesen Park betritt, taucht man in eine andere Welt ein. Alles ist irgendwie perfekt. Nicht im amerikanischen Hyper Hyper, alles super, alles easy Sinne, sondern eher so typisch bayerisch: groß, gut organisiert, ordentlich, bodenständig, natürlich, ein bisschen derb aber auch liebevoll und freundlich.


Im Außenbereich findet man eine riesige Ritterburg mit Verließ und geheimen Gängen, dann noch ein Piratenschiff, ein mehrstöckiges Baumhaus mit Tunneln und Netzkonstruktionen in schwindelerregender Höhe, ein Cowboy-Dorf mit Saloon und Mine zum Goldschürfen, einen Dino-Park und noch etliche kleinere Attraktionen, die den Playmobil-Spielwelten nachempfunden sind. 
Auch der Junior mit noch nicht ganz 2 Jahren vergnügte sich prächtig und quiekte fröhlich vor sich hin, als er all die lustigen bunten Dinge sah und bespielen konnte. Alles ist absolut großzügig angelegt und stabil gebaut, so dass ich auch als Erwachsene überall rumklettern konnte, ohne mich zusammenfalten zu müssen.
Das Abenteuerlichste war die Fahrt mit dem Floß auf dem großen Piratensee.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen See zu überqueren, aber mit dem Floß überzusetzen trieb mir das pure Adrenalin ins Blut. Mit Herrn O. trieb ich bei Wellengang und Sturmböen auf hoher See, als plötzlich eines unserer Paddel ins Wasser fiel. Am Himmel zogen dunkle Wolken auf und ein Blick zum rettenden Ufer verhieß nichts gutes. 
Tapfer kämpften wir uns mit allerletzter Kraft bis zu einem Anlegeplatz vor dem großen Rotröckeschiff und enterten den Segler von backbord. Die Soldaten der Rotröcke drohten uns mit ihren Flinten das Leben auszupusten, doch wir stimmten sie versöhnlich und wurden am Ende in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Mit viel Rum stießen wir unter Deck an und sangen noch bis spät in die Nacht alte Seemanns- und Piratenlieder.


Nach all diesen Abenteuern mußten wir uns natürlich ordentlich stärken. Im Innenbereich fanden wir ein Restaurant mit kindgerechten Speisen und  familienfreundlichen Preisen. Zu jedem Kids-Menu gehörte eine gratis Playmobil-Figur und ein Trinkbecher, den man behalten durfte. Ausser essen und trinken konnte man im Inder-Playmobilland vorzüglich spielen. Klingt irgendwie strange  aber wenn es ein Paradies für Kinder geben kann, dann war das, was dort geboten wurde, dem Paradies schon sehr sehr nahe. Alles (!!!) was im Playmobil-Katalog zu finden ist, gab es auch dort. Die Kids spielten Feuerwehr, Polizei, Wikinger, Piraten. Überall glückliche Kinder auf dem Boden verteilt, unter ihnen, zwischen ihnen und drumrum Millionen von Kleinteilen und Figuren. Kaum vorzustellen, dass es nicht besonders laut war, aber wie durch ein architektonisches Wunder ist es den Erbauern gelungen, dieses fast fussballstadiongroße Gebäude so hinzuzaubern, dass man es trotz all der spielenden, kreischenden Kinder und Eltern ganz gut aushalten kann.



Das einzige Manko ist der Ausgang durch den Playmobil-Store. Aber kann man es den Parkbetreibern verdenken, wenn sie bei nur 8 Euro Eintritt und keinen weiteren Extrakosten, günstigem gutem Essen und sehr gepflegten Anlagen, am Ende dann doch noch ein bisschen Geld verdienen wollen?

Wie sind trotzdem montags nochmal hingefahren. Die Odyssee nach Bayern sollte sich ja schließlich lohnen. Nach zwei Tagen im Playmobilland hatten wir dann aber doch alle vier genug. Wir ließen den letzten Tag im Hotel ausklingen und ich besuchte mit Herrn O. den hauseigenen Pool und die Sauna. Das fand der junge Herr ausgesprochen spannend. Vor der Abreise verabschiedeten wir uns noch mit einer packenden Partie vom Hotel-Kicker und sprangen ins Auto. Zurück gehts immer schneller, so auch diesmal. Nach 5 Stunden Autofahrt plus einer Stunde Pause erreichten wir wieder unseren Düsseldorfer Heimathafen. Nur der Whopper fehlte diesmal zum vollständigen Glück.

Montag, 6. November 2017

Freitag, 27. Oktober 2017

Regentage, Hechelhunde und ein Geburtstag


Ein Sonntag im Oktober. Draussen regnet es und die Jungs haben keine Lust auf den Spielplatz zu gehen. Wir toben drinnen, spielen Piraten, Ninjas und Eishockey and als die Akkus vom Rumgerenne langsam leer werden, spielen die beiden Herren einvernehmlich mit Playmobil:


Selbstgepackener Zitronenbaiser mit Sahne und Himbeertopping.
Die Idee stammt aus unserem neuen Vorlesebuch "Mr. Gum und der unglaubliche Heul- und Hechelhund von Bad Lamonisch".




Die Frauenberatungsstelle Düsseldorf feiert in diesem Jahr ihren 35. Geburtstag. Aus jedem Jahr wurde ein (oder mehrere) Ereigns(se) vorgetragen. Anschliessend stellte man sich auf den weißen Kreis mit der entsprechenden Jahreszahl und spannte den rosa Schirm auf. Eine schöne Aktion vor dem Düsseldorfer Rathaus, bei der ich mitwirken durfte. Hat bei herrlichem Herbst-Sonnenschein gleich doppelt viel Spass gemacht. 

Montag, 16. Oktober 2017

Dinge finden

Es gab Zeiten, da wußte ich genau, wie viele Feuerwehrmänner von Playmobil wir hatten, wie viele davon blond, braun oder schwarzhaarig waren, und wie viele Männlein oder Weiblein. Davon bin ich grade meilenweit entfernt. Ich bin schon froh, wenn ich halbwegs weiß, in welcher der vielen Kisten sich die Männchen befinden. Oder besser gesagt, Teile von ihnen befinden könnten.Die Gründe für diesen Kontrollverlust sind mannigfaltig. Zum einen ist die Zahl der Spielsachen in den letzten zwei Jahren exponentiell gestiegen und zum anderen hat sich auch das Ordnungsgefühl unseres Sohnes mit zunehmender Reife verändert. Es war ihm irgendwann nicht mehr so wichtig, dass alle Feuerwehrmänner auch einen Helm mit Visier hatten, oder dass alle Polizisten eine Pistole in der Hand hielten. Wir haben richtige Krisenmomente durchlebt, in denen Kleinst-Teile von Playmobil akribisch gesucht wurden, da sonst der Familienfrieden in Gefahr war. 

Wer einmal die Verzweiflung eines dreijährigen Kindes erlebt hat, dass ein bestimmtes Spielzeug vermisst, der weiß, wovon ich rede. Der oder die kann auch nachfühlen, was man in seiner Verzweiflung alles tut, um stecknadelgroße Dinge auf 100 qm wieder zu finden. Das kann schon mal so weit führen, dass man im Müll sucht oder den Staubsaugerbeutel inspiziert. Die Firma Playmobil ist so eine Art Elternversteher und bietet für solche Notfälle ein Nachbestell-Portal an, auf dem man Pistolenhalfter, Schwertscheiden, Helmvisiere und noch viel mehr derartigen Gedöhns für relativ kleines Geld nachbestellen kann. Bevor jemand fragt: Ja, das habe ich mehrfach getan.

Irgendwann kam dann die Zeit, als Herrn O. all diese Dinge nicht mehr so wichtig waren und beim Ritterkampf auch mal ein roter durch einen blauen Ritter ersetzt werden konnte. Im Übrigen auch eine gute Vorbereitung auf die Lego-Phase, denn hier wird es noch komplizierter. Die Einzelteile, aus denen sich schon recht kleine Bausätze zusammenbauen lassen, werden noch kleiner und noch spezieller. Wer da nicht früh lernt zu improvisieren, scheitert sehr schnell an seiner Frustrationsgrenze.

Aktuell werden die Playmobil-Landschaften nur vom Junior bespielt und wenn das Chaos überhandnimmt, schmeiße ich einfach alles wahllos in eine Box, in der noch Platz ist. 
Das trägt allerdings nicht besonders dazu bei, Ordnung in die Spielzeuglandschaft zu bringen, was von ordnungsliebenden Gastkindern meist mit Entsetzen quittiert wird. Die müssen dann da durch. Irgendwann muss ja auch mal gut sein.













Mit zwei Jungs im Alter von 1,5 und 5 Jahren befindet man sich sowieso immer auf der Suche nach irgendwas.
  • Wo ist noch mal die gefütterte Matschhose, die wir damals für Herrn O. hatten, als er 2      war?
  • Hatten wir nicht mal dieses Holzpuzzle?
  • Wie lautet noch mal das Passwort für den xy-Kinderklamotten-Onlinestore?
  • Haben wir noch Ersatzdichtungen für die Trinkflasche?
  • Wo liegen die Batterien für das Tütata-Auto?
  • Sind die Jeansflicken schon wieder aufgebraucht?
  • Ist die Mütze im Auto oder noch in der Kita?
  • Welches Kind hatte noch mal das Dinosaurier-Buch ausgeliehen?
  • Wo ist die Hülle von der Ritter-Rost CD?
  • Und, und, und….
Da bin ich einfach sehr froh, dass wir gestern die Turnhose von Herrn O. in der Lost-and-Found Kiste der Turnhalle wiedergefunden haben. Er hatte sie einfach in der Umkleidekabine liegen lassen und seitdem haben wir sie vermisst. Jetzt ist sie wieder da. Wie schön.

Freitag, 6. Oktober 2017

Fünf

Der große Sohn wurde 5. FÜNF! Es ist schon ein bisschen unheimlich, wie schnell die Jahre vergangen sind. Seid der Geburt von Junior, läuft die Zeit irgendwie noch ein wenig schneller. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendetwas Kinderspezifisches zu tun ist. Und nebenbei hat Frau ja auch noch einen Job und möchte ab und zu mal was für sich tun. Aber das soll hier nicht Thema sein - eh zu kompliziert und zu selten, und wenn dann mal ein Zeitfensterchen am Horizont aufblitzt, in dem Mama geliebten Hobbys nachgehen könnte, ist der Schnupfen oder der Rücken wieder schneller und meldet laut seine Existenzberechtigung zur falschen Zeit an. Dann lieber Kindergeburtstag vorbereiten.

Einladungen verteilen, Location klarmachen, Geschenke-Wunschliste an die Mütter der Gästekinder weiter leiten, Spiele ausdenken und vorbereiten, Kuchen backen, Deko-Artikel basteln kaufen, Pappgeschirr in Star-Wars Optik zusammenkaufen, Helfer zum Auf- und Abbau motivieren. 

Dankenswerterweise haben wir gute Kontakte zur Spieloase in Düsseldorf, die uns für einen Samstagnachmittag ihr Aussengelände und die Turnhalle zur Verfügung gestellt hat. Das hatte den großen Vorteil, dass unsere Feier-Location komplett eingezäunt und abschließbar war, so dass wir keine Angst haben mußten, ein Kind zu verlieren, oder mehr Gäste als erwünscht zu bespaßen.

Pünktlich um 15:00 Uhr betraten die ersten Gäste das Gelände und bereits um 15:08 waren alle Kinder da. Ich war ein klein wenig fassungslos, wie eilig es die Eltern hatten, uns ihre Sprösslinge anzuvertrauen und fragte mich, ob sie bei der Abholung wohl genau so pünktlich sein würden. Aber meine Sorgen waren völlig unnötig. Von drei bis sechs haben Frau O. und ich es geschafft, acht Kinder  und den Junior unverletzt durch den Nachmittag zu begleiten. Sie haben Unmengen an Süßigkeiten vertilgt, literweise Apfelsaft getrunken, einen Schatz gehoben, komplizierte Rätsel gelöst, eine Rutschbahn gebaut, eine Kletterwand bezwungen und sogar ansatzweise "Happy Birthday" gesungen. Jungs halt.


Der Große und seine Bande hatten eine rundum gelungene Party. Herr O. genoß in vollen Zügen, dass er jetzt endlich nicht mehr der einzige 4-jährige in seinem Freundeskreis ist und hatte am Ende des Tages sogar noch Kraft, seine neuen Lego-Spielsachen zu bestaunen. 

Überhaupt: Plötzlich zählt nur noch Lego. Er formuliert Sätze wie "damals, als ich noch mit Playmobil gespielt habe", als sei es 20 Jahre her.
Völlig fasziniert von Star Wars taucht er ab in ferne Galaxien, ordnet Stormtrooper und Snowtrooper in Reih und Glied an und lauscht gespannt der Geschichte von Luke, Leia und Darth Vader. Es ist schon ein bisschen gruselig, wie schnell er das alles aufnimmt. Allein all die Namen. Ich muß erst mal lernen, wie man die alle ausspricht, da weiß er schon, wer mit wem verwandt ist.
Schön, dass du endlich fünf bist, und dass wir jetzt bei Tisch sinnvolle Gespräche führen können.

Mittwoch, 27. September 2017

August

Die Bilder haben es ja schon verraten: Wir waren zum Ende des Sommers noch mal für eine Woche in Irland. Dankenswerterweise bietet die irische Haus und Hof Fluggesellschaft "Aerlingus" in den Sommermonaten Direktflüge von Düsseldorf nach Cork an. Cork City liegt dann nur noch 30 Autominuten von unserem Ferienhaus in Shannagary entfernt, so dass man im Prinzip "echt schnell mal hinfliegen" kann. Wären die Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen nicht so lang (kann man ja evtl. noch verstehen) und die Schlangen vor den Mietwagenfirma-Schaltern nicht noch länger (kann ich einfach gar nicht verstehen), könnte es quasi auch wirklich schnell gehen. 
Naja, dann mietet man einen Hyundai i10 und stellt fest, dass in den Kofferraum nur ein Buggy oder ein Koffer oder eine große Reisetasche reinpassen, aber nicht alles gleichzeitig. Gut, dass wir nicht so weit fahren mußten und noch besser, das Granddad zur Stelle war mit seinem riesigen Porsche (so nennt Herr O. den Mercedes vom Opa), und unser komplettes Gepäck zum Häuschen transportiert hat. 
Unser Junior hatte den Flug genutzt um alle Mitreisenden persönlich kennenzulernen, indem er den Gang mehrfach auf- und ab geschritten war und alle Menschen, die mit ihm Blickkontakt aufnahmen, um den Finger gewickelt hatte. Das klingt vielleicht rührend, und war in Ansätzen auch recht witzig, aber der Rest der reisenden Regenbogenfamilie wäre auch gerne mit ein klein wenig weniger Showeinlagen in Irland gelandet. Die heartbreaking Begrüßung "welcome home" und die Riesenportion Fish 'n Chips wären auch so sehr sehr verdient gewesen. 
In Shannagary ist nicht nur der Hund begraben, es gibt dort tatsächlich einen Friedhof mit Gräbern von sehr sehr lange "getöteten" Menschen. Ich weiß nicht, ob ich bereits in einem früheren Post erwähnt habe, aber das Thema "Tod" steht bei Herrn O. sehr hoch im Kurs. Spricht man eines der Worte "alt", "Krieg", "Soldat" zu laut aus, wird man in eine Diskussion rund ums Thema "Sterben" verwickelt, dass man so schnell nicht mehr lebendig wieder rauskommt.
Folglich war der Besuch des lokalen Friedhofs auch ein beliebtes Ausflugsziel während unseres einwöchigen Aufenthalts an Irlands Südküste.
Wir nutzten die Zeit aber auch zum Besuch bei diversen Freunden und Verwandten, immer in Kombination mit sehr viel leckerem Essen. Es ist nicht schwer, in Irland lecker, frisch, gesund, bio und regional zu essen. Das ist in der Regel das, was die Menschen halt sowieso kochen und backen, wenn sie denn genau das tun. Die Alternative heißt: Frittieren. Die Produkte dieser sehr aufwandsarmen Nahrungszubereitungsart sind aber genau so leicht erhältlich wie die Gesunden und da sie häufiger auch noch billiger sind, sind sie mittlerweile eine echte Plage. Sie tauchen überall dort auf, wo hungrige Menschen mit Kindern sind. Wenn man die Wahl hat zwischen einem Apfel für 1 Euro und einer Tüte Chips für 50 Cent und neben einem steht auch noch ein schreiendes Kind, was kauft man dann? 

Wieder zurück in D-Land entschloß ich mich, mal wieder ein echtes Buch aus Papier und Buchstaben zu kaufen. Nach sich vor Begeisterung überschlagenden Empfehlungen bei Facebook, entschied ich mich für den Erziehungsratgeber "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn". 
Aller Lobhudelei zum Trotz, ich habe es bereut. In dem Buch sind ein paar Weisheiten ganz nett zusammen gefasst und sogar äußerst lesbar und verständlich dargestellt, aber die Erziehung von Kindern bleibt meiner Meinung nach eine hochkomplexe Angelegenheit, an die man besser mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl herangeht, als durch die Befolgung von Regeln und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Vielleicht habe ich ja auch in den vergangenen 5 Jahren vieles richtig gemacht und hatte deshalb nicht bei jedem Kapitel den viel gepriesenen "Aha"-Moment. Vielleicht bin ich auch nicht der Ratgeber-Typ. Kann ja sein, dass es Menschen gibt, die aus den Erzeugnissen der Ratgeberindustrie mehr Befriedigung ziehen. Ich bin meistens schon ganz glücklich, wenn ich mit unseren beiden Jungs am Tisch sitze und wir alle zusammen lachen können.

Was sonst noch passierte?

  • Herr O. hat seine Leidenschaft für Star Wars Lego entdeckt und möchte am liebsten alles haben, was Lego jemals produziert hat - vor allem die Figuren.
  • Ich stelle mit Entsetzen fest, dass einzelne Star Wars Lego Minifiguren 10 € und mehr kosten. Zum Glück kann man bei ebay Kleinanzeigen ganz gute Schnäppchen machen.
  • Der Junior schläft seit unserer Rückkehr aus Spanien mit dem großen Bruder zusammen in einem Zimmer. Sein Auszug aus dem elterlichen Schlafzimmer verlief unproblematisch und die beiden Jungs haben sich schnell an die neue Zweisamkeit gewöhnt.
  • Das Schulamt hat uns einen rosa Brief mit den Anmeldeunterlagen für Herrn O. geschickt. Jetzt wird es ernst.
  • Ich hatte eine kurze Phase, in der ich neue Rezepte ausprobiert habe. Zu den Gewinnern zählt das Wiener Schnitzel und der Kartoffelsalat mit viel Petersilie und Radieschen. 

Donnerstag, 17. August 2017

East Cork Impressionen