Freitag, 17. November 2017

Playmobilland

Vom Oktober war irgendwann nicht mehr viel übrig, vom Herbst und dem sich immer vehementer durchsetzenden Schmuddelwetter leider noch sehr viel. Die Tage wurden immer kürzer und kühler und dann stand da noch diese ewig-lange Wochenende mit dem sogenannten "geschenkten" Tag vor der Türe. Hätte er Luther seine Thesen nicht auch im Juni irgendwo annageln können? Hätte er gewußt, dass die Menschen in Deutschland 500 Jahre später genau den einen Tag frei bekommen, der sich unmittelbar an das Wochenende der Zeitumstellung dranhängt? Zu einem Tag Frösteln bei Dunkelheit kommt auch noch eine extra Stunde Schlaf, die man, wenn man kleine Kinder hat, nicht wirklich zu schätzen weiß. Wachen die lieben Kleinen dann am Sonntag einfach mal um 6 Uhr statt um 7 Uhr auf. Oder, weil Sonntag ist, vielleicht doch schon um 5:30 Uhr?

Sollte jemand meinen Worten entnehmen, dass ich vor dem letzten Oktoberwochenende skeptisch war, liegt sie / er da genau richtig. Wir hatten nämlich Monate zuvor, als die Sonne noch wärmend zu langen entspannten Nachmittagen im Park einlud, eine viertägige Reise zum Playmobilland bei Fürth gebucht. Die von google prognostizierten 6 Stunden Autofahrt stimmten mich auch nicht froher, aber gebucht ist gebucht und Urlaub ist Urlaub. Samstags morgens nach dem Frühstück fuhren wir also los und wurden schon 2 km weiter von der ersten Baustelle mit Umleitung gestoppt. Ich war müde, unmotiviert und schlecht gelaunt, was sich bis Frankfurt nicht wirklich besserte. Bis dahin ließen wir uns von einem zähen Blechbrei auf der A3 gen Süden treiben und mußten uns eingestehen, dass die erste Pause bereits vor Frankfurt gemacht werden mußte. Da saßen wir auch schon volle 3 Stunden im Auto. Die Raststätte, die alles änderte, war mit einem Burger King bestückt. Es müssen Drogen im Fleisch oder in den Pommes gewesen sein, aber nach dem Verzehr eines Whoppers sah die Welt auf einmal wieder ganz rosarot aus und wir stiegen frohen Mutes wieder ins Auto to "hit the road".

Die war auch auf den nächsten 350 km nicht weniger voll - im Gegenteil. Eine Stunde Stau und zähflüssiger Verkehr vor Würzburg nagten ganz ordentlich an unserem Nervenkostüm. Das war ja zusätzlich auch noch von nörgelnden Kindern und Dauerbeschallung aus dem CD-Player auf die Probe gestellt. Als wir dann kurz vor 18:00 Uhr in Fürth ankamen, suchten wir noch ne klitzekleine Ewigkeit unser Hotel, bis wir das romantische Forsthaus Fürth dann im dunklen Wald entdeckten. 

Gut, dass die Bayern leckeres Bier brauen, das sie in großen Gläsern ausschenken. Nichts anderes hätte mir an diesem Abend noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können. 
Naja, also ausser zwei glücklichen Kindern, die das Hotel auf Anhieb klasse fanden und den Kicker auf der Empore zum Highlight des Urlaubs erkoren. Vielleicht noch eine Hotelbar, die leckere Kinderschnitzel herbeizaubert und einen auch noch mit einem Lächeln bedient, wenn der Junior sämtliche Dekoration abräumt und den Laden mit seinem ganz eigenen Bargesang "beschallt".

Die extra Stunde in der Nacht auf Sonntag hatten wir uns letztendlich dann auch verdient.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag Morgen, machten wir uns dann auch sofort auf den Weg zum Playmobilland. Die Fahrt war kurz und das Ziel war nach 20 Minuten erreicht. Genügend Platz im Parkhaus, keine Schlangen am Eingang, Playmobil-Männchen wohin das Auge schaute nahmen uns mit ihrem gütigen Blick in Empfang. Sobald man diesen Park betritt, taucht man in eine andere Welt ein. Alles ist irgendwie perfekt. Nicht im amerikanischen Hyper Hyper, alles super, alles easy Sinne, sondern eher so typisch bayerisch: groß, gut organisiert, ordentlich, bodenständig, natürlich, ein bisschen derb aber auch liebevoll und freundlich.


Im Außenbereich findet man eine riesige Ritterburg mit Verließ und geheimen Gängen, dann noch ein Piratenschiff, ein mehrstöckiges Baumhaus mit Tunneln und Netzkonstruktionen in schwindelerregender Höhe, ein Cowboy-Dorf mit Saloon und Mine zum Goldschürfen, einen Dino-Park und noch etliche kleinere Attraktionen, die den Playmobil-Spielwelten nachempfunden sind. 
Auch der Junior mit noch nicht ganz 2 Jahren vergnügte sich prächtig und quiekte fröhlich vor sich hin, als er all die lustigen bunten Dinge sah und bespielen konnte. Alles ist absolut großzügig angelegt und stabil gebaut, so dass ich auch als Erwachsene überall rumklettern konnte, ohne mich zusammenfalten zu müssen.
Das Abenteuerlichste war die Fahrt mit dem Floß auf dem großen Piratensee.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen See zu überqueren, aber mit dem Floß überzusetzen trieb mir das pure Adrenalin ins Blut. Mit Herrn O. trieb ich bei Wellengang und Sturmböen auf hoher See, als plötzlich eines unserer Paddel ins Wasser fiel. Am Himmel zogen dunkle Wolken auf und ein Blick zum rettenden Ufer verhieß nichts gutes. 
Tapfer kämpften wir uns mit allerletzter Kraft bis zu einem Anlegeplatz vor dem großen Rotröckeschiff und enterten den Segler von backbord. Die Soldaten der Rotröcke drohten uns mit ihren Flinten das Leben auszupusten, doch wir stimmten sie versöhnlich und wurden am Ende in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Mit viel Rum stießen wir unter Deck an und sangen noch bis spät in die Nacht alte Seemanns- und Piratenlieder.


Nach all diesen Abenteuern mußten wir uns natürlich ordentlich stärken. Im Innenbereich fanden wir ein Restaurant mit kindgerechten Speisen und  familienfreundlichen Preisen. Zu jedem Kids-Menu gehörte eine gratis Playmobil-Figur und ein Trinkbecher, den man behalten durfte. Ausser essen und trinken konnte man im Inder-Playmobilland vorzüglich spielen. Klingt irgendwie strange  aber wenn es ein Paradies für Kinder geben kann, dann war das, was dort geboten wurde, dem Paradies schon sehr sehr nahe. Alles (!!!) was im Playmobil-Katalog zu finden ist, gab es auch dort. Die Kids spielten Feuerwehr, Polizei, Wikinger, Piraten. Überall glückliche Kinder auf dem Boden verteilt, unter ihnen, zwischen ihnen und drumrum Millionen von Kleinteilen und Figuren. Kaum vorzustellen, dass es nicht besonders laut war, aber wie durch ein architektonisches Wunder ist es den Erbauern gelungen, dieses fast fussballstadiongroße Gebäude so hinzuzaubern, dass man es trotz all der spielenden, kreischenden Kinder und Eltern ganz gut aushalten kann.



Das einzige Manko ist der Ausgang durch den Playmobil-Store. Aber kann man es den Parkbetreibern verdenken, wenn sie bei nur 8 Euro Eintritt und keinen weiteren Extrakosten, günstigem gutem Essen und sehr gepflegten Anlagen, am Ende dann doch noch ein bisschen Geld verdienen wollen?

Wie sind trotzdem montags nochmal hingefahren. Die Odyssee nach Bayern sollte sich ja schließlich lohnen. Nach zwei Tagen im Playmobilland hatten wir dann aber doch alle vier genug. Wir ließen den letzten Tag im Hotel ausklingen und ich besuchte mit Herrn O. den hauseigenen Pool und die Sauna. Das fand der junge Herr ausgesprochen spannend. Vor der Abreise verabschiedeten wir uns noch mit einer packenden Partie vom Hotel-Kicker und sprangen ins Auto. Zurück gehts immer schneller, so auch diesmal. Nach 5 Stunden Autofahrt plus einer Stunde Pause erreichten wir wieder unseren Düsseldorfer Heimathafen. Nur der Whopper fehlte diesmal zum vollständigen Glück.

Montag, 6. November 2017

Freitag, 27. Oktober 2017

Regentage, Hechelhunde und ein Geburtstag


Ein Sonntag im Oktober. Draussen regnet es und die Jungs haben keine Lust auf den Spielplatz zu gehen. Wir toben drinnen, spielen Piraten, Ninjas und Eishockey and als die Akkus vom Rumgerenne langsam leer werden, spielen die beiden Herren einvernehmlich mit Playmobil:


Selbstgepackener Zitronenbaiser mit Sahne und Himbeertopping.
Die Idee stammt aus unserem neuen Vorlesebuch "Mr. Gum und der unglaubliche Heul- und Hechelhund von Bad Lamonisch".




Die Frauenberatungsstelle Düsseldorf feiert in diesem Jahr ihren 35. Geburtstag. Aus jedem Jahr wurde ein (oder mehrere) Ereigns(se) vorgetragen. Anschliessend stellte man sich auf den weißen Kreis mit der entsprechenden Jahreszahl und spannte den rosa Schirm auf. Eine schöne Aktion vor dem Düsseldorfer Rathaus, bei der ich mitwirken durfte. Hat bei herrlichem Herbst-Sonnenschein gleich doppelt viel Spass gemacht. 

Montag, 16. Oktober 2017

Dinge finden

Es gab Zeiten, da wußte ich genau, wie viele Feuerwehrmänner von Playmobil wir hatten, wie viele davon blond, braun oder schwarzhaarig waren, und wie viele Männlein oder Weiblein. Davon bin ich grade meilenweit entfernt. Ich bin schon froh, wenn ich halbwegs weiß, in welcher der vielen Kisten sich die Männchen befinden. Oder besser gesagt, Teile von ihnen befinden könnten.Die Gründe für diesen Kontrollverlust sind mannigfaltig. Zum einen ist die Zahl der Spielsachen in den letzten zwei Jahren exponentiell gestiegen und zum anderen hat sich auch das Ordnungsgefühl unseres Sohnes mit zunehmender Reife verändert. Es war ihm irgendwann nicht mehr so wichtig, dass alle Feuerwehrmänner auch einen Helm mit Visier hatten, oder dass alle Polizisten eine Pistole in der Hand hielten. Wir haben richtige Krisenmomente durchlebt, in denen Kleinst-Teile von Playmobil akribisch gesucht wurden, da sonst der Familienfrieden in Gefahr war. 

Wer einmal die Verzweiflung eines dreijährigen Kindes erlebt hat, dass ein bestimmtes Spielzeug vermisst, der weiß, wovon ich rede. Der oder die kann auch nachfühlen, was man in seiner Verzweiflung alles tut, um stecknadelgroße Dinge auf 100 qm wieder zu finden. Das kann schon mal so weit führen, dass man im Müll sucht oder den Staubsaugerbeutel inspiziert. Die Firma Playmobil ist so eine Art Elternversteher und bietet für solche Notfälle ein Nachbestell-Portal an, auf dem man Pistolenhalfter, Schwertscheiden, Helmvisiere und noch viel mehr derartigen Gedöhns für relativ kleines Geld nachbestellen kann. Bevor jemand fragt: Ja, das habe ich mehrfach getan.

Irgendwann kam dann die Zeit, als Herrn O. all diese Dinge nicht mehr so wichtig waren und beim Ritterkampf auch mal ein roter durch einen blauen Ritter ersetzt werden konnte. Im Übrigen auch eine gute Vorbereitung auf die Lego-Phase, denn hier wird es noch komplizierter. Die Einzelteile, aus denen sich schon recht kleine Bausätze zusammenbauen lassen, werden noch kleiner und noch spezieller. Wer da nicht früh lernt zu improvisieren, scheitert sehr schnell an seiner Frustrationsgrenze.

Aktuell werden die Playmobil-Landschaften nur vom Junior bespielt und wenn das Chaos überhandnimmt, schmeiße ich einfach alles wahllos in eine Box, in der noch Platz ist. 
Das trägt allerdings nicht besonders dazu bei, Ordnung in die Spielzeuglandschaft zu bringen, was von ordnungsliebenden Gastkindern meist mit Entsetzen quittiert wird. Die müssen dann da durch. Irgendwann muss ja auch mal gut sein.













Mit zwei Jungs im Alter von 1,5 und 5 Jahren befindet man sich sowieso immer auf der Suche nach irgendwas.
  • Wo ist noch mal die gefütterte Matschhose, die wir damals für Herrn O. hatten, als er 2      war?
  • Hatten wir nicht mal dieses Holzpuzzle?
  • Wie lautet noch mal das Passwort für den xy-Kinderklamotten-Onlinestore?
  • Haben wir noch Ersatzdichtungen für die Trinkflasche?
  • Wo liegen die Batterien für das Tütata-Auto?
  • Sind die Jeansflicken schon wieder aufgebraucht?
  • Ist die Mütze im Auto oder noch in der Kita?
  • Welches Kind hatte noch mal das Dinosaurier-Buch ausgeliehen?
  • Wo ist die Hülle von der Ritter-Rost CD?
  • Und, und, und….
Da bin ich einfach sehr froh, dass wir gestern die Turnhose von Herrn O. in der Lost-and-Found Kiste der Turnhalle wiedergefunden haben. Er hatte sie einfach in der Umkleidekabine liegen lassen und seitdem haben wir sie vermisst. Jetzt ist sie wieder da. Wie schön.

Freitag, 6. Oktober 2017

Fünf

Der große Sohn wurde 5. FÜNF! Es ist schon ein bisschen unheimlich, wie schnell die Jahre vergangen sind. Seid der Geburt von Junior, läuft die Zeit irgendwie noch ein wenig schneller. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendetwas Kinderspezifisches zu tun ist. Und nebenbei hat Frau ja auch noch einen Job und möchte ab und zu mal was für sich tun. Aber das soll hier nicht Thema sein - eh zu kompliziert und zu selten, und wenn dann mal ein Zeitfensterchen am Horizont aufblitzt, in dem Mama geliebten Hobbys nachgehen könnte, ist der Schnupfen oder der Rücken wieder schneller und meldet laut seine Existenzberechtigung zur falschen Zeit an. Dann lieber Kindergeburtstag vorbereiten.

Einladungen verteilen, Location klarmachen, Geschenke-Wunschliste an die Mütter der Gästekinder weiter leiten, Spiele ausdenken und vorbereiten, Kuchen backen, Deko-Artikel basteln kaufen, Pappgeschirr in Star-Wars Optik zusammenkaufen, Helfer zum Auf- und Abbau motivieren. 

Dankenswerterweise haben wir gute Kontakte zur Spieloase in Düsseldorf, die uns für einen Samstagnachmittag ihr Aussengelände und die Turnhalle zur Verfügung gestellt hat. Das hatte den großen Vorteil, dass unsere Feier-Location komplett eingezäunt und abschließbar war, so dass wir keine Angst haben mußten, ein Kind zu verlieren, oder mehr Gäste als erwünscht zu bespaßen.

Pünktlich um 15:00 Uhr betraten die ersten Gäste das Gelände und bereits um 15:08 waren alle Kinder da. Ich war ein klein wenig fassungslos, wie eilig es die Eltern hatten, uns ihre Sprösslinge anzuvertrauen und fragte mich, ob sie bei der Abholung wohl genau so pünktlich sein würden. Aber meine Sorgen waren völlig unnötig. Von drei bis sechs haben Frau O. und ich es geschafft, acht Kinder  und den Junior unverletzt durch den Nachmittag zu begleiten. Sie haben Unmengen an Süßigkeiten vertilgt, literweise Apfelsaft getrunken, einen Schatz gehoben, komplizierte Rätsel gelöst, eine Rutschbahn gebaut, eine Kletterwand bezwungen und sogar ansatzweise "Happy Birthday" gesungen. Jungs halt.


Der Große und seine Bande hatten eine rundum gelungene Party. Herr O. genoß in vollen Zügen, dass er jetzt endlich nicht mehr der einzige 4-jährige in seinem Freundeskreis ist und hatte am Ende des Tages sogar noch Kraft, seine neuen Lego-Spielsachen zu bestaunen. 

Überhaupt: Plötzlich zählt nur noch Lego. Er formuliert Sätze wie "damals, als ich noch mit Playmobil gespielt habe", als sei es 20 Jahre her.
Völlig fasziniert von Star Wars taucht er ab in ferne Galaxien, ordnet Stormtrooper und Snowtrooper in Reih und Glied an und lauscht gespannt der Geschichte von Luke, Leia und Darth Vader. Es ist schon ein bisschen gruselig, wie schnell er das alles aufnimmt. Allein all die Namen. Ich muß erst mal lernen, wie man die alle ausspricht, da weiß er schon, wer mit wem verwandt ist.
Schön, dass du endlich fünf bist, und dass wir jetzt bei Tisch sinnvolle Gespräche führen können.

Mittwoch, 27. September 2017

August

Die Bilder haben es ja schon verraten: Wir waren zum Ende des Sommers noch mal für eine Woche in Irland. Dankenswerterweise bietet die irische Haus und Hof Fluggesellschaft "Aerlingus" in den Sommermonaten Direktflüge von Düsseldorf nach Cork an. Cork City liegt dann nur noch 30 Autominuten von unserem Ferienhaus in Shannagary entfernt, so dass man im Prinzip "echt schnell mal hinfliegen" kann. Wären die Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen nicht so lang (kann man ja evtl. noch verstehen) und die Schlangen vor den Mietwagenfirma-Schaltern nicht noch länger (kann ich einfach gar nicht verstehen), könnte es quasi auch wirklich schnell gehen. 
Naja, dann mietet man einen Hyundai i10 und stellt fest, dass in den Kofferraum nur ein Buggy oder ein Koffer oder eine große Reisetasche reinpassen, aber nicht alles gleichzeitig. Gut, dass wir nicht so weit fahren mußten und noch besser, das Granddad zur Stelle war mit seinem riesigen Porsche (so nennt Herr O. den Mercedes vom Opa), und unser komplettes Gepäck zum Häuschen transportiert hat. 
Unser Junior hatte den Flug genutzt um alle Mitreisenden persönlich kennenzulernen, indem er den Gang mehrfach auf- und ab geschritten war und alle Menschen, die mit ihm Blickkontakt aufnahmen, um den Finger gewickelt hatte. Das klingt vielleicht rührend, und war in Ansätzen auch recht witzig, aber der Rest der reisenden Regenbogenfamilie wäre auch gerne mit ein klein wenig weniger Showeinlagen in Irland gelandet. Die heartbreaking Begrüßung "welcome home" und die Riesenportion Fish 'n Chips wären auch so sehr sehr verdient gewesen. 
In Shannagary ist nicht nur der Hund begraben, es gibt dort tatsächlich einen Friedhof mit Gräbern von sehr sehr lange "getöteten" Menschen. Ich weiß nicht, ob ich bereits in einem früheren Post erwähnt habe, aber das Thema "Tod" steht bei Herrn O. sehr hoch im Kurs. Spricht man eines der Worte "alt", "Krieg", "Soldat" zu laut aus, wird man in eine Diskussion rund ums Thema "Sterben" verwickelt, dass man so schnell nicht mehr lebendig wieder rauskommt.
Folglich war der Besuch des lokalen Friedhofs auch ein beliebtes Ausflugsziel während unseres einwöchigen Aufenthalts an Irlands Südküste.
Wir nutzten die Zeit aber auch zum Besuch bei diversen Freunden und Verwandten, immer in Kombination mit sehr viel leckerem Essen. Es ist nicht schwer, in Irland lecker, frisch, gesund, bio und regional zu essen. Das ist in der Regel das, was die Menschen halt sowieso kochen und backen, wenn sie denn genau das tun. Die Alternative heißt: Frittieren. Die Produkte dieser sehr aufwandsarmen Nahrungszubereitungsart sind aber genau so leicht erhältlich wie die Gesunden und da sie häufiger auch noch billiger sind, sind sie mittlerweile eine echte Plage. Sie tauchen überall dort auf, wo hungrige Menschen mit Kindern sind. Wenn man die Wahl hat zwischen einem Apfel für 1 Euro und einer Tüte Chips für 50 Cent und neben einem steht auch noch ein schreiendes Kind, was kauft man dann? 

Wieder zurück in D-Land entschloß ich mich, mal wieder ein echtes Buch aus Papier und Buchstaben zu kaufen. Nach sich vor Begeisterung überschlagenden Empfehlungen bei Facebook, entschied ich mich für den Erziehungsratgeber "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn". 
Aller Lobhudelei zum Trotz, ich habe es bereut. In dem Buch sind ein paar Weisheiten ganz nett zusammen gefasst und sogar äußerst lesbar und verständlich dargestellt, aber die Erziehung von Kindern bleibt meiner Meinung nach eine hochkomplexe Angelegenheit, an die man besser mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl herangeht, als durch die Befolgung von Regeln und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Vielleicht habe ich ja auch in den vergangenen 5 Jahren vieles richtig gemacht und hatte deshalb nicht bei jedem Kapitel den viel gepriesenen "Aha"-Moment. Vielleicht bin ich auch nicht der Ratgeber-Typ. Kann ja sein, dass es Menschen gibt, die aus den Erzeugnissen der Ratgeberindustrie mehr Befriedigung ziehen. Ich bin meistens schon ganz glücklich, wenn ich mit unseren beiden Jungs am Tisch sitze und wir alle zusammen lachen können.

Was sonst noch passierte?

  • Herr O. hat seine Leidenschaft für Star Wars Lego entdeckt und möchte am liebsten alles haben, was Lego jemals produziert hat - vor allem die Figuren.
  • Ich stelle mit Entsetzen fest, dass einzelne Star Wars Lego Minifiguren 10 € und mehr kosten. Zum Glück kann man bei ebay Kleinanzeigen ganz gute Schnäppchen machen.
  • Der Junior schläft seit unserer Rückkehr aus Spanien mit dem großen Bruder zusammen in einem Zimmer. Sein Auszug aus dem elterlichen Schlafzimmer verlief unproblematisch und die beiden Jungs haben sich schnell an die neue Zweisamkeit gewöhnt.
  • Das Schulamt hat uns einen rosa Brief mit den Anmeldeunterlagen für Herrn O. geschickt. Jetzt wird es ernst.
  • Ich hatte eine kurze Phase, in der ich neue Rezepte ausprobiert habe. Zu den Gewinnern zählt das Wiener Schnitzel und der Kartoffelsalat mit viel Petersilie und Radieschen. 

Donnerstag, 17. August 2017

East Cork Impressionen







Dienstag, 8. August 2017

Im Juli - Teil II



Hochzeitsglocken:
Dies ist kein politischer Blog – auch wenn ich durchaus ein politischer Mensch bin. Es liegt mir einfach näher, über Kinder- und Familienthemen zu schreiben, als mich zur Lage der Nation an dieser Stelle zu äußern. Das tun meiner Meinung nach andere Menschen hervorragend und ich unterstütze, kommentiere oder like deren Aktivitäten gerne, insofern mir das wichtig ist.
Die Entscheidung des Deutschen Bundestages zur „Ehe für Alle“ möchte ich allerdings trotzdem kurz erwähnen. Selten hat mich eine politische Debatte und die darauf folgende Abstimmung so berührt. Als der Bundestag am 30. Juni frühmorgens in Berlin zusammenkam, um über den Gesetzentwurf abzustimmen, war ich ernsthaft nervös. Zu viele demokratische Abstimmungen waren in den letzten Monaten schief gegangen, obwohl man es nicht für möglich gehalten hatte (Trump, Brexit). Gar nicht auszudenken, wenn irgendwelche Morgenmuffel es nicht pünktlich zur Abstimmung schaffen würden und alles in einer peinlichen Lachnummer enden würde.
Doch dazu kam es ja zum Glück nicht.

Ich gebe gerne zu, dass ich ein paar Tränchen in den Augen hatte, als Norbert Lammert das Ergebnis verkündete. Erst da merkte ich, welche Gefühle damit verbunden sind, wenn man nicht für vollwertig beachtet wird und der Staat einem nur eine Ehe zweiter Klasse erlaubt. Zwar hatte mir das in  der Vergangenheit nie viel ausgemacht, da in unserer Beziehung die Praxis immer ein klein wenig den Entscheidungen des BGH hinterher hinkte. Wir mußten nie für etwas kämpfen, da die gesetzlichen Hürden immer schon gemeistert waren, bevor unser Fall konkret wurde (Ehegattensplitting, Stiefkindadoption). 
Was nicht war, kann ja noch kommen – perfekt ist mit der Entscheidung ja noch lange nicht alles und im Familienrecht gibt es auch sonst noch genügend Themen, die durchaus mal an der Reihe wären.
Jetzt werden wir uns bald mal schlau machen, was alles zu tun (und zu bezahlen?) ist, damit wir unsere ELP in eine Ehe umwandeln können.  Dann schauen wir weiter.

Kurioserweise waren wir am 15. Juli auf einer Hochzeit zweier schwuler Männer eingeladen, die rein rechtlich ja noch immer eine ELP-Schliessung war. Das Gesetz war ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Kraft. Unsere guten Freunde liessen sich dadurch aber zum Glück nicht in geringster Weise von ihrem Vorhaben abhalten. Sie hatten ja auch mehr als ein Jahrzehnt auf diesen Tag hingearbeitet und sich mit viel Liebe und Hingabe der Organisation eines rauschenden Festes gewidmet. 

Am Tag der Hochzeit stimmte einfach alles. Das Outfit der Bräutigame passte natürlich perfekt zur orange-blauen Deko an allen Feierlocations. Mich persönlich hatte die Farbe orange ja nicht gleich vom Hocker gerissen, als die Einladung ins Haus flatterte und das Bräutigam-Paar sein Motto stolz präsentierte. Blau und Orange. Also gut, blau geht bei mir schon seit ich 4 Jahre alt bin immer. Das letzte orange-farbene Kleidungsstück  - eine superbequeme Jack-Wolfskin Jacke, mußte ich vor ein paar Jahren aus meiner Garderobe verbannen, da Frau O. sie für nicht tragbar hielt. Seitdem mache ich um orangene Dinge einen Bogen. Das änderte sich auch nicht, als ich mit der Gattin Richtung Düsseldorfer Kö fuhr, um ein paar passable Anziehsachen für die Hochzeit zu shoppen. "Leider" gab es auch nichts in orange. So kaufte ich ein Oberteil in Brombeere und Frau O. schlüpfte in eine weiße 3/4 Hose und ein schickes blaues Top. Die weiße Hose erlitt allerdings ein schreckliches Schicksal. Da es ihr trotz zweiwöchigen Aufenthalts in der Sonne nicht gelungen war, einen deutlichen Kontrast zu Frau O.'s irisch gebräunten Beinen abzubilden, wurde sie zu meiner Outdoorjacke in die Tiefen des Kleiderschranks verbannt. Das gute Stück mußte einer langen, beinbedeckenden Variante weichen.
Zum Ausgleich schmiß sich zumindest der Junior in Schale. Anzug mit Weste und Fliege!
Sein großer Bruder war zumindest solidarisch mit seinen Mamas und trug glücklich sein neues Star-Wars Sweatshirt. Welch ein Anblick.


Fast wäre dieser Anblick dem Paar und der gesamten Gesellschaft auch erspart geblieben - hatte ich mir doch die Uhrzeit für die kirchliche Trauung falsch gemerkt. Statt 14:30 Uhr begann sie schon um 14:00 Uhr, was wir allerdings erst um 13:40 Uhr feststellten. Da waren wir noch am anderen Ende der Stadt, auf der anderen Rheinseite und gedanklich auch noch in ganz weit entfernten Galaxien unterwegs.
Bis heute ist kein Strafzettel bei uns angekommen, obwohl ich sicher nicht immer alle Tempolimits exakt eingehalten habe. Und die Verweildauer auf dem Netto-Parkplatz war auch nur ganz knapp über der erlaubten Parkdauer.


r mich war es die allererste kirchliche Hochzeit eines homosexuellen Paares. Es war wunderbar. Chorgesang, Gebete, Fürbitten, erfürchtige Bräutigame, heulende Eltern, andächtige Gäste und ein Priester, der die Bühne zu nutzen wußte. Er redete gerne und viel, nur die meisten Kinder hatten nicht so viel Verständnis für seine ausschweifenden Anekdoten aus dem Leben unserer Freunde. 

So traf man vor der Kirche all die anderen Eltern kleiner Kinder zum Stelldichein und machte sich miteinander bekannt. Wie schön zu sehen, wer alles da war. Und all die vielen Kinder. Freunde, die ich seit Studientagen nicht mehr gesehen hatte, waren aus allen Ecken der Welt angereist um diesen Tag mit unseren Freunden zu feiern. So gab es wahrlich sehr sehr viel zu erzählen. Zum Glück gab es am Abend ja noch eine rauschende Party im Kölner E-Werk, wo man die angefangenen Gesprächsfetzen dann noch einmal bei blauen und orangenen Drinks und Speisen vertiefen konnte. Wir hatten Oma und Opa zum Babysitten eingeladen, so dass wir einmal ganz entspannt und lange feiern konnten. Das haben wir auch bis nachts um 2:00 Uhr ausgenutzt und getanzt, getrunken und gelacht so lange die Energiereserven noch was hergaben. Es war eine wundervolle Party mit köstlichem Essen, witzigen Showeinlagen, einem ausdrucksstarken Hochzeitstanz, köstlichem Essen und natürlich einem strahlenden Brautpaar. Als ich spät in der Nacht im Bett lag und die Augen schloß, konnte ich sogar der Farbe Orange einen gewissen Charme abgewinnen.

Donnerstag, 3. August 2017

Im Juli - Teil I


Der Juli war gespickt mit Highlights.

Das Leben als Regenbogenfamilie mit zwei kleinen Kindern ist natürlich immer voller Höhepunkte und man hangelt sich von einem spannenden Ereignis zum nächsten, aber im Juli wurde das noch mal getoppt durch unseren großen Familien-Zusammenführungs-Urlaub in Spanien und die Hochzeit eines sehr lieben befreundeten schwulen Paares in Köln.

Begonnen hat alles mit dem "Grand Depart" - Die Tour de France zu Gast in Düsseldorf.

Aber jetzt zum Urlaub:
Im Januar ging ein Ruck durch die Familie meiner Frau: Großvater und Familienoberhaupt wünschte sich, dass die ganze Familie (3 Kinder mit PartnerInnen und insgesamt 8 Enkelkinder) sich an einem Ort unserer Wahl zu einem kuscheligen Familienurlaub treffen möge. In Windeseile mußte ein Ort gefunden werden, der sowohl für Leute aus Irland, Tokyo und Deutschland gut erreichbar ist, der den Ansprüchen von 1-18jährgen Kindern und Jugendlichen gerecht wird und…sogar noch freie Kapazitäten hat. Ein Google- und WhatsApp-Marathon startete und man einigte sich schließlich auf einen „Glamping“-Platz in Salou, Spanien, ca. 100 km südlich von Barcelona. Dort würden wir in drei Mobilheimen (eins pro Familie) zwei wundervolle Wochen miteinander verbringen.
Am  4. Juli stiegen wir vier in Düsseldorf in den Flieger nach Barcelona. Die Jungs waren schon sehr aufgeregt, aber die Mamas auch. Der Rest der Familie war schon früh morgens geflogen und sammelte schon erste Erfahrungen auf dem Campingplatz, während wir noch in Barcelona auf unser Gepäck warteten. Ein Shuttle-Bus brachte uns am frühen Abend nach Salou und da wir so bemitleidenswert  erschöpft aus dem Bus vor der Rezeption mit all unseren Kindern, Teddies, Gepäckstücken und Buggy herauspurzelten, fuhr uns ein netter Spanier mit Golfauto fast direkt vor den Eingang unseres Feriendomizils. Hier wartete auch schon der Rest der Familie.
Nachdem wir alle 11 freudig begrüßt hatten, eingecheckt waren und was zu essen organisiert hatten, saßen erstmals all 15 Familienmitglieder auf der Veranda von Mobilheim „Tokyo“ zusammen und genossen den Sternenhimmel und die Schwüle einer spanischen Sommernacht.
Als ich später im Bett meiner 2 x 2 Meter Zelle lag, „genoß“ ich auch noch das Wummern der Bässe von der Campingplatzdisco. „Nicht aufregen“, dachte ich mir, einfach spät genug ins Bett gehen, damit man das nicht mehr hören muss.
Wir hatten mit Abstand die kleinsten Kinder (1,5 und 4,5) während die anderen 9, 12, 14, 14, 16 und 18 waren. In dem Altern ist man natürlich schneller, selbständiger und hat einen größeren Aktionsradius als ein Vierjähriger. Während wir unsere Kinder schwimmfertig machten (Schwimmwindel an, Badesachen an, Sonnencreme drauf, Spielzeuge und Handtücher einpacken, sich selber anziehen), rutschten die anderen Kinder schon auf der großen Abenteuerrutsche. Wenn wir dann mit Sack und Pack endlich am Pool ankamen, war der Troß schon weitergezogen und spielte Tischtennis oder Basketball oder suchte die nächste Eisdiele auf.

Das sorgte für ein bisschen Stress bei uns Mamas und Frust bei unseren Kids.
Zu lernen, dass jede Familie ihr eigenes Tempo hat, gehörte zu den wichtigsten Erkenntnissen der ersten Tage.  Wer kauft was und wann wird gegessen? Kochen oder vielleicht doch grillen? Machen wir einen gemeinsamen Ausflug nach Barcelona? Wer möchte mit nach Portaventura (so eine Art Phantasialand)?  Gehen wir zum Strand oder bleiben wir am Pool? 



Nach ein paar Tagen hatte sich unser Urlaubsleben eingependelt und der Erholungsteil begann. Es fanden sich immer Grüppchen, die Lust auf das eine oder andere hatten, und wir für unseren Teil bewegten uns am liebsten im kleinen Rahmen und genossen die Vorzüge des Campingplatzes. Der war einfach toll. Total familienfreundlich.  Die Jungs liebten die Pools und die Spielplätze, wir liebten die Nähe zum Supermarkt und die tollen Restaurant- und Snackangebote.  Mit gefiel außerordentlich, dass die Jungs zur Siesta-Zeit ein Mittagsschläfchen machten und dann abends fit waren, um bis 22 oder 23 Uhr durchzuhalten. Dann schliefen sie auch bis 8:30 oder sogar 9:00 Uhr und wir natürlich auch. Fantastisch. Seit Jahren nicht mehr so lange geschlafen.



Außer lange schlafen, gelang es uns nach ein wenig Übung sogar, ab und zu mal nichts zu tun. Das tut man als Eltern ja in der Tat selten. Irgendwer quäkt immer und bettelt um Aufmerksamkeit, oder man widmet sich einer der vielen frequently aufgeschobenen und re-priorisierten Aufgaben der inneren To-Do-Liste. Im Urlaub re-priorisierten wir einfach nach dem Prinzip: Kann alles warten. Beine hoch, Augen zu, NICHTS machen. Die Cousinen und Cousins entertainten unsere Kids (oder umgekehrt). Sogar Zeit, mir eine angemessene Urlaubsbräune zuzulegen hatte ich. Ist zwar in Zeiten von Ozonloch und Hautkrebs nicht mehr ganz so schick, aber der Blick auf die weißen, von den Flip-Flops herrührenden Streifen auf den Füßen, weckt immer wieder wohlige Urlaubserinnerungen.


Unterm Strich hatten wir eine fantastische Zeit.
Alle Familienmitglieder genossen die gemeinsamen Tage bei traumhaftem Wetter. Es fehlte uns wirklich an nichts und Frau O. und ich waren am Ende so begeistert von dieser Art Urlaub zu machen, dass der Platz fürs nächste Jahr bereits gebucht ist.
 

Hochzeitsglocken:Hierzu mehr im zweiten Teil der Juli-Berichterstattung.

Und dann war da noch:
  • Mein 25-Jahre Abi-Klassentreffen in der "alten" Heimat
  • Ein Ausflug ins Irrland bei Kevelaer 
  • Das Ende des Kindergarten-Jahres, das für den Großen den Abschied von lieb gewonnenen Kita-Freunden bedeutete und den Start ins Vorschulkind-Dasein einläutete. Aber dazu sicher im August mehr.